Nachhaltige Forstwirtschaft hautnah: Eine Exkursion durch den Lenorenwald

Bei mildem Tauwetter empfing uns Revierförster Oliver Vogt am 22.02.2016 herzlich zu einer Exkursion in seinem Revier.

Herr Vogt erläuterte uns vor Ort die Prinzipien der ökologischen, naturnahen Forstwirtschaft im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung (Altersklassenwald). Luftbilder aus den 1950er-Jahren und der Gegenwart veranschaulichten die Entwicklung des etwa 600 Hektar großen Lenorenwalds besonders deutlich.

Der Lenorenwald, ein Landschaftsschutzgebiet und teilweise FFH-Gebiet, besteht vor allem aus Buchen, Eichen, Fichten und in den Kesselmooren aus Erlen und Eschen. Daneben finden sich kleinere Anteile von Lärchen und Douglasien. Die Weißtanne wird gezielt in kleinen Gruppen unter Fichten eingebracht, um die Naturverjüngung lebensraumtypischer, klimaresistenter Baumarten zu fördern.

Neben heimischen Tieren, wie Damwild, Hasen und Füchsen, beherbergt der Lenorenwald auch Kraniche und seltenere Arten, etwa Rotbauchunken, Kammmolche und sogar die winzige Bauchige Windelschnecke. Als besonderes Higlight, konnten wir während der Exkursion ausserdem einen kreisenden Seeadler beobachten.

Statt Kahlschlag werden hier gezielt einzelne Bäume entnommen, um Lichtungen für junge Bäume zu schaffen. So wachsen mehrere Generationen auf derselben Fläche, angepasst an ihre Lebenszyklen. Totholz bleibt als Habitat liegen, und besonders schützenswerte Bäume werden nicht gefällt. Diese „Mehrgenerationen-Philosophie“ verhindert, dass der Wind ungehindert durch den Wald fegt und den Boden austrocknet.
Beim Transport der gefällten Bäume kommen schonende Methoden wie Seilwinden oder spezielle Maschinen mit breiten Bändern zum Einsatz, um den sensiblen Waldboden zu schützen. Der Betrieb strebt keine Gewinnmaximierung an, sondern eine ausgewogene Bewirtschaftung.
Der Förster betonte: „Der Wald braucht uns nicht – aber wir brauchen den Wald.“

Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor besondere Herausforderungen. Seit 2018 haben trockene Jahre viele Bäume geschwächt und Schädlinge wie den Borkenkäfer begünstigt. Abhilfe schaffen Artenvielfalt, die Beschattung des Waldbodens und die Renaturierung von Mooren.
Herr Vogt hob hervor, dass Mecklenburg-Vorpommern als waldarmes Gebiet (unter 10% Waldanteil) bestrebt sei, den Waldanteil zu erhöhen. Dies sei eine Aufgabe, die unerwartete Hindernisse wie Naturschutzauflagen oder den Artenschutz (z. B. für die Feldlerche) mit sich bringe.

Wir danken Revierförster Oliver Vogt für die spannenden Erklärungen und die leidenschaftliche Führung durch diesen einzigartigen Lebensraum, die uns einen tiefen Einblick in die nachhaltige Bewirtschaftung des Lenorenwalds bot.